Dr. Lutz Fähser

Der Leitende Forstdirektor Dr. Lutz Fähser, Leiter des „Bereiches Stadtwald“ der Hansestadt Lübeck ging im Januar 2010 mit Erreichen des 65. Lebensjahres in Pension.

 

Wer ist  Dr. Lutz Fähser?
Ein Zeitzeuge der Umorientierung von Forstwirtschaft in ökologisch-sozial orientierte Waldnutzung. 1994, kurz nach dem internationalen Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro, hat er in “seinem“ städtischen Forstamt von Lübeck das Konzept der „Naturnahen Waldnutzung“ eingeführt, das auch heute noch mit seinem Nachfolger weitergeführt wird.

 

Lutz Fähser ist mit allen großen Umweltverbänden aktiv , wenn es um Wald-Angelegenheiten geht. Auch hat er in rd. 20 verschiedenen Ländern bei Wald-Entwicklungsprojekten mitgearbeitet. Seine Promotion erfolgte 1977 in forstlicher Betriebswirtschaft in Freiburg i.Br., was ihn befähigte zu erkennen, dass nur ein ökologisch optimal funktionierender Wald nachhaltig die besten betriebswirtschaftlichen Ergebnisse hervorbringen kann.

Sein Vortrag am Samstag, 16 Uhr, "Naturnahe Waldnutzung mit höchster Naturnähe" ist kostenlos für alle, die über eine gültige Eintrittskarte zum Zukunftsfestival verfügen.

Wann, wo und warum spricht Dr. Lutz Fähser und was kostet das Zuhören?.
Lutz Fähser erläutert, wie die Konventionen und Erklärungen, die 1992 von der deutschen Regierung in Rio unterzeichnet wurden,  im Sinne der Agenda 21 konkret umgesetzt werden können. Das Lübecker Konzept begründete das erste Zertifikat für Waldwirtschaft in Deutschland von „Naturland“ (1997) und beeinflusste das internationale Zertifikat von „Forest Stewardship Council“ wesentlich. Greenpeace vertritt die Prinzipien des Lübecker Konzeptes weltweit. Naturnahe Waldnutzung mit höchster Naturnähe ist nach neueren Erkenntnissen im Hinblick auf den Klimawandel (CO²-Speicherung) und auf Verbesserung der natürlichen Biodiversität die optimale Nutzungsvariante. Gleichzeitig hat sie die höchste betriebswirtschaftliche Wertschöpfung, weil sie die kostenlose Urproduktion der Natur weitgehend zulässt. Das ideale Beispiel von Zukunftssicherung in der bewirtschafteten Natur.

 

Mehr Infos:

https://naturwald-akademie.org/



Interview mit Dr. Lutz Fähser
Dr. Lutz Fähser hat schon 1994, kurz nach dem internationalen Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro in „seinem“ städtischen Forstamt von Lübeck das Konzept der „Naturnahen Waldnutzung“ eingeführt, denn nur ein ökologisch optimal funktionierender Wald kann nachhaltig die besten betriebswirtschaftlichen Ergebnisse hervorbringen.  


Er spricht am Samstag, 5. Mai um 16 Uhr auf dem Zukunftsfestival.      


1. Hat der internationale Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro ihr berufliches und privates Weltbild verändert?


Antwort: Rio 1992 hat meine Zuversicht bestärkt, dass weltweit eine gemeinsame Wende gegen die Vernichtung der Grundlagen allen Lebens möglich sein wird. Durch die Unterschrift der deutschen Bundesregierung unter das Aktionsprogramm Agenda 21 zu einer nachhaltigen Entwicklung konnte ich mich beruflich zuhause auf diese Verpflichtung beziehen. Im 5.000 ha großen Stadtwald von Lübeck haben wir dann seit 1994 den Plan von Rio umgesetzt.


2. Ist das Lübecker Konzept der "Naturnahen Waldnutzung" die Patentlösung für den Wald weltweit?


Antwort: Das spezifische Lübecker Konzept wurde nur für Lübeck konzipiert. Es basiert allerdings auf Prinzipien, die weltweit und in allen Klimazonen naturgesetzlich gültig sind: Höchstmögliche Naturnähe der Wirtschaftswälder - Nutzung nur in dem Umfang, wie die natürliche Produktivität es vorsieht - Minimierung der Störungen im Waldökosystem. Im Rahmen der jeweiligen Eigentümer-Zielsetzung können diese Prinzipien beachtet werden.


3.Tritt auch im Lübecker Wald das Eschensterben auf – und was bedeutet das für die Zukunft?


Antwort: Naturnahe Wälder sind sich selbst organisierende, dynamische Ökosysteme. Krankheiten und Absterben sind Symptome der Anpassung an veränderte Lebensbedingungen. Danach werden andere Pflanzen und Bäume die Lücke füllen. Vermutlich werden auch aus den Millionen von immer wieder keimenden Eschensämlingen resistente und vitale neue Bäume entstehen. Absterben bedeutet in intakten Natursystemen meist Anpassung, Aufbruch zu Neuem. Gifte und brachiale mechanische Eingriffe devitalisieren meist noch mehr.


4. Die Diskussion um die Errichtung eines Nationalparks hat in Baden-Württemberg zu heftigen Auseinandersetzungen geführt und Gemeinden und Familien gespalten. Was hätte man besser machen können?


Antwort: Wenn man heute die Betroffenen im Nationalpark Nord-Schwarzwald fragt, wie sie sich mit der Situation fühlen, dann sind die meisten zufrieden und freuen sich über die natürlichen Entwicklungen in den Wäldern, über die  Erholungsmöglichkeiten und die wirtschaftlichen Einkommen durch Tourismus im ländlichen Raum. Widerstand gegen Neues ist uns Deutschen eigen. Da muss eine Regierung manchmal durch. Der Erfolg belohnt sie schon jetzt.


5. Wie können sich Deutschlands Wälder am besten auf den Klimawandel vorbereiten? Was wären Ihre ersten Maßnahmen?


Antwort:  Die unendlich vielfältigen Wald-Ökosysteme können differenziert reagieren, wir müssen es ihnen nur gestatten. Die heutigen menschengemachten Forsten sind ökologisch verarmte Kunstgebilde und damit anfällig gegen jede "Störung". Wir müssen ihnen ermöglichen, sich wieder einzupendeln in naturnahe Anpassungssysteme, also die größtmögliche Naturnähe der Wirtschaftswälder zulassen. Die erste Maßnahme ist eben dieses: Aufhören mit der intensiven försterlichen Gestaltung der Forsten zu Hochleistungs-Holzäckern.


6. Was wollen Sie mit Ihrem Vortrag und mit Ihrer Teilnahme an der Podiumsdiskussion auf dem Zukunftsfestival 2018 am 5. und 6. Mai in Bühl erreichen?


Antwort: Ich bin kein Missionar. Ich möchte eine Denk- und Handlungsweise im Waldwesen darlegen, die der Definition von "Nachhaltigkeit" nachkommt:
 Sich so zu verhalten, dass die nachkommenden Generationen  gleich gute oder bessere Lebensbedingungen haben werden als die jetzige.