Christian Felber

Christian Felber
Christian Felber ist Hochschullehrer, als IASS-Fellow Mitarbeiter beim Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung und Autor mehrerer Wirtschaftsbestseller wie

„Gemeinwohl-Ökonomie“ und „Ethischer Welthandel“.

Der Titel „Geld. Die neuen Spielregeln“ wurde als Wirtschaftsbuch des Jahres 2014 ausgezeichnet.

Seine "Gemeinwohl-Ökonomie wurde am 28.März 2017 mit dem ZEIT-WISSEN-Preis 2017 ausgezeichnet.

 

Der 1972 geborene Salzburger studierte Spanisch, Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaft in Madrid und Wien, wo er heute lebt.

Inzwischen unterstützen weltweit mehr als 2.000 Unternehmen sein Gemeinwohl-Modell: https://www.ecogood.org/de/community/pionier-unternehmen/

 

Seine Bücher enthalten faszinierende Lösungsvorschläge für alle, die fühlen und wissen, dass es so einfach nicht weitergehen kann mit dem unendlichen Wachstum auf einem endlichen Planeten - und mit der Ungerechtigkeit.

 

Wann, wo und warum spricht Christian Felber und was kostet das Zuhören?
Am Sonntag, 6. 5., 14 Uhr hier bei uns auf dem Zukunftsfestival.
Christian Felber fordert eine Gemeinwohlbilanz für jedes Unternehmen und schlägt eine Neuordnung der internationalen Handelsbeziehungen vor:

Menschenrechte sollen über den Profitinteressen der Wirtschaft stehen. Er will nicht das Ende der Globalisierung, sondern eine andere Form des internationalen Handels: mehr Klimaschutz, Schutz von Arbeitnehmerrechten, Zollaufschläge etwa bei Verstößen gegen Menschenrechtsvereinbarungen und geltende arbeitsrechtliche Standards, ein Ende der Steueroasen, verstärkte Fusionskontrollen – kurz: eine Demokratisierung der Weltwirtschaft.
Wie das genau und im Einzelnen und in welchen Schritten und mit welchen Menschen das geschehen kann, das erklärt uns Christian Felber. Mit der Tageskarte ist der Eintritt frei.

 

weitere Infos: www.christian-felber.at

 

Hier ein interessanter Beitrag in der ZDF-Mediathek:

https://www.zdf.de/kultur/aspekte/die-krise-der-linken-als-chance-100.html


Interview mit Christian Felber:

 

1. Wie kommt es denn, dass nicht alle Wirtschaft dem Gemeinwohl dienen muss? Das steht doch in unseren Verfassungen und ist spontan einleuchtend?
Antwort: Weil die Gesetze Unternehmen eine Finanz- aber keine Gemeinwohl-Bilanz vorschreiben; weil Banken bei Krediten eine finanzielle, aber keine ethische Risikoprüfung vornehmen müssen. Und weil wir anstelle des „Wohls aller“ das BIP messen: die Ausführungsgesetze passen nicht zu den Verfassungen!

 

2. Prof. Niko Paech wirft Ihrem Konzept vor, dass sich die Industrie durch Erfüllung marginaler Randprobleme vom Gemeinwohl freikaufen kann.
Antwort: Wenn das tatsächlich möglich wäre, hätten uns die Konzerne ein solches „ethisches Image-Waschmittel“ längst aus der Hand gerissen. Bis heute hat sich aber kein Großunternehmen über die Gemeinwohl-Bilanz gewagt. Nico Paech hat offenbar die Negativaspekte übersehen: Kinderarbeit, Klimawandel, Ackergifte, Steueroasen oder Parteienfinanzierung. Dadurch sind auch negative Bilanz-Ergebnisse möglich, wir schlagen sogar den Tatbestand der „ethischen Insolvenz“ vor.


3. Gibt es denn schon Unternehmen, die eine Gemeinwohlbilanz erstellen – und – wenn ja – worin bestehen ihre größten Probleme?
Antwort: Bisher haben 500 kleine und mittelständische Unternehmen aus allen Branchen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt, auch die Stadt Stuttgart hat zwei Kommunalbetriebe bilanziert. Die Bilanz mit Audit ist natürlich ein gewisser Aufwand und eine geistige Umstellung – aber gerade ist ja der Zweck der Übung: die Aufmerksamkeit soll von den Mitteln auf die Ziele und Werte des Wirtschaftens gelenkt werden.


4. Können Sie Ihr Konzept des ethischen Welthandels mit einem Konzept des weltweiten bedingungslosen Grundeinkommens verbinden?
Antwort: Wenn tatsächlich alle vom Freihandel profitieren, wie es oft behauptet wird, könnte doch der Beweis in der Form angetreten werden, dass eine Grundabsicherung zum einklagbaren Fixbestandteil von Freihandelsabkommen wird. Erst dann verdienten solche Abkommen ihren Namen.


5. Welches weltweit agierende Unternehmen kommt Ihren Vorstellungen von Gemeinwohl-Ökonomie und ethischem Welthandel am nächsten?
Antwort: Ein einzelnes Unternehmen fällt mir nicht ein, aber internationale ethische Wirtschaftspraktiken wie fairer Handel, biologische Landwirtschaft oder gemeinwohlorientierte Genossenschaften. Am ehesten noch Mondragón im Baskenland, ein Verbund aus 250 Betrieben. Oder die Raiffeisen-Idee: Aus einer Darlehenskasse entwickelte sich ein Bankmodell, das heute in 180 Staaten erfolgreich operiert. Raiffeisen war für die Solidarität und gegen Dividenden.


6. Was wollen Sie mit Ihrem Vortrag auf dem Zukunftsfestival 2018 am 5. und 6. Mai in Bühl erreichen?
Antwort: Zum einen UnternehmerInnen, PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und viele weitere Menschen zum Mitmachen bei der Gemeinwohl-Ökonomie bewegen. Zum anderen die Sehnsucht nach einer verbesserten Demokratie wecken, in der die Menschen die Fundamente der Wirtschafts-, Finanz- und Handelsordnung selbst legen können: Souveränsbewusstsein aufbauen!